Vietnam


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Geographie
Der Norden ist bergig und von Regenwäldern bewachsen, nur rund 15-20% der nördlichen Fläche ist ebenerdig. Die meisten Menschen leben hier in dem dicht besiedelten Delta des Roten Flusses. Die Überflutungen der Deltagebiete von Rotem Fluss im Norden und Mekong im Süden machen diese zu fruchtbaren Reisanbaugebieten. Im zentralen Hochland Südvietnams werden Kaffee, Tee, Tabak und Kautschuk angebaut, im zentralen Tiefland herrschen Reisanbau, Fischfang und Kleinindustrie vor.

Bevölkerung
Vietnam hat ungefähr 82 Millionen Einwohner. Größte Städte sind die Hauptstadt Hanoi mit rund 3 und Ho-Chi-Minh-Stadt (bis 1976 Saigon) mit rund 4 Millionen Einwohnern. Etwas mehr als 20% der Bevölkerung lebt in Städten. Amtssprache ist Vietnamesisch, Handels- und Bildungssprachen sind auch Französisch und Englisch. 83% der Einwohner sind ethnische Vietnamesen, unter den Minderheiten sind vor allem die Chinesen von Bedeutung.

GESCHICHTE

Vor der Kolonialzeit
Im Jahr 209 v. Chr. entstand das Königreich Nam Viet. Von 111 v. Chr. bis 939 n. Chr. stand das Reich unter chinesischer Herrschaft. In dieser Zeit wurden Verwaltung, Kultur und Sprache stark von China geprägt. So erhielt auch der Konfuzianismus eine maßgebende Bedeutung für das politische und gesellschaftliche Leben. Nach blutigen Aufständen bildete sich 939 das unabhängige Reich Dai Viet. China behielt jedoch die Oberhoheit und verlangte jährliche Tributzahlungen. Im 16.Jahrhundert wurde Dai Viet geteilt: Im Norden unterstützte die Adelsfamilie der Trinh die Befreiungsbewegungen der Bauern, im Süden verteidigten die rivalisierenden Nguyen die Monarchie. Sie unterhielten zudem gute Beziehungen zu den europäischen Mächten, die jetzt in die Region gelangten, und bauten ein funktionierendes Verwaltungssystem auf. Es kam schließlich zum Bürgerkrieg zwischen den beiden Landesteilen, der 1802 mit der Wiedervereinigung des Landes unter Kaiser Gia Luong aus der Nguyen-Familie endete. Er benannte das Reich in Viet Nam (Land des Südens) um und erweiterte es bis zum Golf von Thailand. Im 19.Jahrhundert drang Frankreich in Indochina ein und machte auch Vietnam 1883 zur Kolonie. Die französische Kolonialregierung teilte das Land in drei Regionen ein: Tongking (Norden), Annam (Zentrum) und Cochinchina (Süden). 1887 schloss die Kolonialmacht Vietnam, Laos und Kambodscha zu der Indochinesischen Union zusammen.

Die Kolonialherrschaft
Die Fremdherrschaft wurde von Beginn an bekämpft. Zur wichtigsten Gestalt der Widerstandbewegung stieg Ho Chi Minh auf. 1930 gründete er die Kommunistische Partei Indochinas, der stärksten politischen Kraft innerhalb der 1945 gegründeten antikolonialen Widerstandsorganisation Vietminh (Liga für die Unabhängigkeit Vietnams).
Japan besetzte während des 2.Weltkrieges die französischen Gebiete in Indochina. Am 8.März 1945 erlaubten die Besatzer die Bildung des “Staates Vietnam” unter Kaiser Bao Dai. Die westlichen Alliierten unterstützten den Guerillakrieg der Widerstandsbewegung gegen die Japaner.
Nach der Kapitulation Japans proklamierte Ho Chi Minh die unabhängige “Demokratische Volksrepublik Vietnam”. Bei Wahlen im nächsten Jahr siegte die KP und Ho Chi Minh wurde Präsident.

Die Indochinakriege
Frankreich versuchte, seine Herrschaft militärisch zurückzugewinnen (1.Indochinakrieg 1946-1954). Dazu bewegten die Franzosen Kaiser Bao Dai 1949 seinen Thron wiederzubesteigen und nahmen Vietnam als assoziierten souveränen Staat in die Französische Union auf. 1954 erlitten die Franzosen bei Dien Bien Phu eine vernichtende Niederlage. Auf der kurze Zeit später stattfindenden Genfer Indochinakonferenz wurde ein Waffenstillstand geschlossen, das Land erhielt die Unabhängigkeit, wurde aber entlang des 17. Breitengrades geteilt: Im Norden regierten die KP und Ho Chi Minh die Demokratische Volksrepublik nach marxistisch-leninistischem Muster, unterstützt von der UdSSR und der VR China; im Süden übernahm 1955 nach einem Staatsstreich der Diktator Ngo Dinh Diem als Präsident die Macht in der von den USA gestützten Republik Vietnam. Die Trennung sollte nur provisorisch sein, zu den vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen kam es jedoch auf Grund der wachsenden Spannungen zwischen den Landesteilen nicht.
Nach dem von den USA unterstützten Sturz Diems 1963 kam es im Süden zu einer Reihe von Staatsstreichen und raschen Regierungswechseln, bis sich 1965 General Nguyen Van Thieu als neues Staatsoberhaupt durchsetzen konnte. Von der mit dem Diem-Regime unzufriedenen Bevölkerung unterstützt, eroberten die Guerillas der Nationalen Befreiungsfront (NLF, Vietcong genannt), die von den im Süden gebliebenen Vietminh gebildet worden waren, weite Teile Südvietnams. Als 1964 ein US-amerikanisches Kriegsschiff im Golf von Tongking von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen wurde, eskalierten die Auseinandersetzungen zum offenen Krieg (2.Indochinakrieg bzw. Vietnamkrieg 1964-1975). Die USA schickten Hunderttausende Mann Bodentruppen nach Vietnam, um die NLF und ihre Unterstützer im Süden zu besiegen. Die Vernichtungsaktionen gegen die Vietcong waren extrem brutal: großflächige Bombardements unter Einsatz von hochgiftigen Entlaubungsmitteln wie Agent Orange sowie von Napalm- und Splitterbomben. Sie haben bis heute gewaltige Schäden an Mensch und Natur verursacht, blieben jedoch militärisch erfolglos. 1973 wurde nach jahrelangen Verhandlungen in Paris ein Waffenstillstand geschlossen und die USA zogen ihre Truppen ab. 1975 eroberte die Armee des Nordens unter Bruch des Pariser Abkommens den Südteil und vereinigte das Land auf militärischen Weg. 1976 wurde die wiedereinigte Sozialistische Republik Vietnam ausgerufen.

Die Sozialistische Republik Vietnam
Im Innern wurde ein Einparteiensystem unter Führung der bis heute regierenden Kommunistischen Partei Vietnams errichtet. In Säuberungsaktionen wurden Oppositionelle und Intellektuelle aus dem Süden getötet, vertrieben oder in Umerziehungslager interniert. Fast 1 Million Menschen flohen aus dem Land, viele über das Meer (“boat people”).
Außenpolitisch und wirtschaftlich lehnte sich Vietnam eng an die UdSSR an. Anfang 1979 marschierte das Militär in Kambodscha ein und vertrieb das Regime der Roten Khmer. Als Strafaktion besetzte die VR China für zwei Wochen die Grenze zu Vietnam und zerstörte zahlreiche Grenzorte. Erst nach einem zehnjährigen Guerillakrieg gegen die Widerstandsbewegung zogen die vietnamesischen Truppen 1989 aus Kambodscha ab. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR als wichtigstem Verbündeten bemühte sich Vietnam um die Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten und zu den USA. Mit China wurde 1992 eine Vereinbarung über wirtschaftliche Zusammenarbeit vereinbart und 1995 nahmen Vietnam und die USA diplomatische Beziehungen auf.

Aktuelle Entwicklung
1999 beschloss die herrschende KPV den verstärkten Kampf gegen korrupte Mitglieder und Funktionäre und startete deshalb eine Kampagne der Selbstkritik, auch um der steigenden Kritik von außen zu begegnen. Bisher wurden über Tausende Parteimitglieder der Korruption bezichtigt. Im Jahr 2000 traf Vietnam die schlimmste Flutkatastrophe seit Jahrzehnten, die über 500 Menschenleben kostete. Hohe symbolische Bedeutung im Hinblick auf die Normalisierung der Beziehungen und der Öffnung zum Westen hatte die Visite von Bill Clinton im November 2000, der erste Besuch eines US-Präsidenten seit dem Vietnamkrieg.

Im Frühjahr des Jahres 2001 brachen im zentralen Hochland Unruhen aus. Angehörige größtenteils christlicher ethnischer Minderheiten, der sogenannten Montagnards, protestierten gegen die Inbesitznahme ihres Landes durch vietnamesische Siedler und gegen die Einschränkung ihrer Freiheiten, vor allem der Religionsfreiheit und des Rechts auf Unterricht in ihrer Muttersprache. Die Demonstrationen wurden blutig niedergeschlagen, Hunderte Menschen flohen nach Kambodscha. Drei Jahre später kam es zu erneuten Protesten der Bergvölker, die wiederum mit militärischer Gewalt unterdrückt wurden.
Unter scharfer Verfolgung leiden neben den Montagnards besonders die Mitglieder der seit 1981 verbotenen Vereinigten Buddhistischen Kirche Vietnams und der buddhistischen Hoa-Hoa-Religionsgemeinschaft. Repressionen ausgesetzt sind ebenso Internetnutzer, die Informationen über korrupte Regierungsmitglieder und Parteifunktionäre weitergeben und sich für demokratische Reformen einsetzen. Auch sie werden häufig verhaftet, unter Hausarrest gestellt oder auf andere Weise schikaniert.

Verfassung und politisches System
1992 wurde die heute gültige Verfassung verabschiedet. Danach regiert die KP in einem Einparteiensystem als einzig zugelassene Partei. Im Parlament, der Nationalversammlung, sind nur Mitglieder der KP und zugelassene parteilose Kandadaten vertreten. Die Nationalversammlung wählt den Präsidenten mit einer Amtszeit von 5 Jahren, der wiederum den Premierminister ernennt. In der Nationalversammlung gibt es außerdem als ständiges Gremium den Staatsrat, der Verordnungen erlassen kann.

Wirtschaft
Vietnam betreibt seit 1986 eine Politik der vorsichtigen marktwirtschaftlichen Reformen. Mit der außenpolitischen Entspannung seit Ende der 80-er Jahre setzte auch eine wirtschaftliche Öffnung nach außen ein. So vergab die Weltbank 1993 ein erstes Darlehen und 1994 hoben die USA ihre seit dem Ende des Vietnamkrieges bestehenden Wirtschaftssanktionen gegen das Land auf. 1995 wurde Vietnam als erster sozialistischer Staat Mitglied der Vereinigung südostasiatischer Staaten (ASEAN).

Internationale Menschenrechtsabkommen

Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) unterzeichnet
1.Fakultativprotokoll zum IPBPR
2.Fakultativprotokoll zum IPBPR
Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte unterzeichnet
Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet
CEDAW-Zusatzprotokoll
Übereinkommen über die Rechte des Kindes (CRC) unterzeichnet
CRC-Zusatzprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten unterzeichet
Internationales Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassen-diskriminierung unterzeichnet
Abkommen über die Rechtsstellung von Flüchtlingen
Protokoll über die Rechtsstellung von Flüchtlingen
Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs
Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe

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