Laos


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Der Binnenstaat Laos mit einer Fläche von 236.800 qkm ist ca. so groß wie Großbritannien. Laos liegt im Zentrum der indo-chinesischen Halbinsel Südostasiens und erstreckt sich von Norden nach Süden über 1050 km und von Westen nach Osten über 470 km. Im Norden grenzt Laos an China, im Osten an Vietnam, im Süden an Kambodscha, im Westen an Thailand und Myanmar. Grenzfluss zwischen Laos und Myanmar und Thailand ist der Mekong. Die Volksrepublik Laos hat 6 Millionen Einwohner (Stand Juli 2004), in der Hauptstadt Vientiane leben davon 534 000.


Historischer Abriss: Das Reich der Millionen Elefanten

Die Laoten stammen ursprünglich aus dem südlichen China, da die Machtergreifung unter Kublai Khan in China eine Migrationswelle nach Süden auslöste. Diese Thai-Kadai-Völker gründeten im 14. Jahrhundert das Reich Lan-Xang, das Reich der Millionen Elefanten, nachdem sie das Khmer-Volk aus den fruchtbaren Flusstälern vertrieben hatten. Die Hauptstadt wurde Muong Swa, das spätere Luang Prabang; 1560 verlegte der König jedoch seine Hauptstadt in den Süden nach Vientiane, da ihm Luang Prabang zu nahe an der feindlichen burmesischen Grenze lag. Im 17. Jh. erreichte die Vereinigung der laotischen Fürstentümer ihre Blütezeit und erstreckte sich auf dem Höhepunkt ihrer territorialen Macht bis weit in die Gebiete des heutigen Thailand, Kambodscha, Myanmar und Vietnam hinein. Um 1800 spaltete sich das Reich Lan Xang in drei jeweils von rivalisierenden Prinzen geführte Königreiche, die ihrerseits sogleich wieder unter fremde Oberherrschaft gerieten: Vientiane unter teils vietnamesische, teils siamesische, Luang Prabang unter chinesische und Champassak unter siamesische Tributhoheit.

Kolonie Französich-Indochina
1893 erklärten die Franzosen, die bereits Vietnam und Kambodscha besetzt hatten, Laos zu einem Teil ihrer Kolonie Französisch-Indochina. Die Franzosen holten für die Verwaltung Vietnamesen ins Land und begannen mit der Ausbeutung profitabel erscheinender Bodenschätze (Erze und Metalle), ansonsten kümmerten sie sich nicht um die Entwicklung des Landes, sondern nutzten das Gebiet hauptsächlich als Puffer zu dem von den Briten besetzten Myanmar.

Während des zweiten Weltkrieges musste Frankreich auf Druck des die Region beherrschenden Japans die laotischen Provinzen westlich des Mekong an Thailand abtreten. Da Frankreich den Verlust seiner Kolonie befürchtete, lockerte es die Zügel und unterstützte die laotische nationale Bewegung; es erschien eine erste laotischsprachige Zeitung, und Grundschulen mit Unterricht in laotischer Sprache wurden errichtet.

Die Unabhängigkeit
Im März 1945 drängte Japan Frankreich aus ganz Indochina und erwirkte eine Unabhängigkeitserklärung von Laos. Frankreich wollte auf keinen Fall seine Kolonien in Indochina aufgeben und begann 1946 mit deren militärischer Rückeroberung. 1947 erhielt Laos eine Verfassung und weitere Autonomierechte, bis die französische Regierung dem Land schließlich am 1.Juli 1949 formal die Unabhängigkeit im Rahmen der Französischen Union zugestand. Nach der französischen Niederlage 1954 in der Schlacht bei Dien Bien Phu (Nordvietnam) wurde Laos konstitutionelle Monarchie und auch völkerrechtlich unabhängig. 1955 wurde Laos Mitglied der UNO. Die Genfer Laos-Konferenz von 1962 bestätigte die territoriale Integrität des Landes und legte seine Neutralität fest. Pathet Lao-Bewegung

Pathet Lao bedeutet “Land Laos”, eine Bezeichnung, die sich die laotischen Revolutionäre erstmals 1945 mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung zulegten. Zu dieser Zeit war diese Bewegung nationalistisch und vom Kommunismus noch weit entfernt. Die Bewegung kämpfte für antikoloniale Ziele. Geführt von Souvannou Vong unterstützte sie während des ersten Indochinakrieges (1946-1954) die Vietminh. Während des zweiten Indochinakrieges (1957-1975) hatten innerhalb der Pathet Lao-Bewegung die militärischen Kräfte die Kontrolle über etwa zwei Drittel des Landes und unterstützten Nordvietnam und den Vietcong besonders bei der Sicherung des Ho-Chi-Minh-Pfades, der größtenteils durch Laos führte.

Die demokratische Volksrepublik Laos
Laos geriet ab 1965 in den Strudel des zweiten Indochinakrieges, der ein in weiten Teilen zerbombtes und vermintes Land hinterließ. Die USA warfen über Laos mehr Bomben ab als im zweiten Weltkrieg über Westeuropa. Aus dem Pariser Waffenstillstandsabkommen von 1973 über Vietnam ging eine Koalitionsregierung hervor, deren stärkste Kraft die Pathet-Lao waren.

Die Koalition diente nur der Abschirmung der Machtergreifung durch die Pathet-Lao. 1975 wurde die Demokratische Volksrepublik Laos ausgerufen und der “rote Prinz” Souvannou Vong wurde der erste Staatspräsident, der bis 1991 als oberster Repräsentant des Landes fungierte. Der derzeitige Staatspräsident ist der Vorsitzende der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) Khamtai Siphandon, da er 2002 für eine weitere fünfjährige Amtszeit wiedergewählt wurde. Die LRVP ist die alleinregierende Staatspartei, die sich aus den Kadern der Pathet-Lao-Bewegung gebildet hatte. Seit 1997 gehört Laos dem südostasiatischen Staatenbund der ASEAN an.

Das Regierungssystem
1989 fanden erstmals seit 1975 Wahlen auf nationaler Ebene statt, wobei die Verteilung der Sitze zwischen der LRVP (2/3) und den Oppositionsparteien (Blockparteien, 1/3) vorab festgelegt war. Der Aufbau des Parteiensystems entspricht weitgehend dem kommunistischer Parteien mit den Machtzentren des Politbüros und des Sekretariats des Zentralkomitees sowie eines Territorial- und Produktionsprinzips (wie bei der SED in der DDR), so dass die KP auf allen Ebenen gesellschaftlichen Lebens vertreten ist. Anzeichen in Richtung eines Mehrparteiensystems sind nicht erkennbar.

Das Militär hat einen großen Einfluss auf die Wirtschaft und die Politik, spielt aber im Unterschied zu den Nachbarstaaten Thailand, Kambodscha und Myanmar keine öffentliche Rolle. Seit dem VI. Parteitag der LRVP 1996 besetzen aktive und pensionierte Militärs sieben von neun Politbüroposten, zeitweise wurden bis zu sechs von 15 Ministerien von Militärs geleitet. Zu den Militärs kann auch Parteichef Khamtai gerechnet werden, da er 16 Jahre lang das Amt des Verteidigungsministers bekleidete. Wie die Streitkräfte in nichtkommunistischen Staaten der Region hat das laotische Militär eine konservative Grundhaltung, Widerstände gegen eine rasche Wirtschaftsliberalisierung kommen besonders aus Militärkreisen. Aufgrund der katastrophalen Versorgungslage in Laos, das wie alle sozialistischen Bruderstaaten von dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem damit verbundenen Ausbleiben von Unterstützungsleistungen betroffen war, sah sich die Regierung gezwungen, eine marktwirtschaftliche Öffnung des Landes voranzutreiben und ausländische Investoren durch Vergünstigungen anzulocken.

Eine Möglichkeit zu einem raschen wirtschaftlichen Aufschwung wird in der Energiegewinnung durch die Nutzbarmachung der Wasserkraftpotentiale des Mekong durch Staudämme und deren Export ins benachbarte Ausland gesehen.

Die erste Verfassung der demokratischen Volksrepublik ist 1991 verabschiedet worden und lehnt sich inhaltlich stark an die sowjetische Verfassung von 1977 an, es wird jedoch ein einheitlicher Staat gefordert und kein föderatives System; der Sozialismus und die Arbeiterklasse, an der es in Laos ohnehin fehlte, werden in dem Dokument nicht mehr erwähnt.

Die Bevölkerung lebt hauptsächlich auf dem Land in den Ebenen um die Hauptstadt Vientiane und den fruchtbaren Mekong. Da Laos zu den rückständigsten Regionen der Welt zählt, ist das Gesundheitswesen sehr mangelhaft. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Laoten beträgt ca. 50 Jahre und die Säuglingssterblichkeit ist mit 15% eine der weltweit höchsten.

Das Bildungssystem
Das Bildungswesen hinkt seinem sozialistischen Anspruch auf gleichen Zugang zu Unterricht für alle Bevölkerungsschichten weit hinterher. Das liegt sowohl an der fehlenden finanziellen Ausstattung als auch an dem Mangel an qualifizierten Lehrern. Im Zuge der Wirtschaftsreformen entstanden vor allem in den Städten kostenpflichtige Privatschulen, in denen auf weit höherem Niveau unterrichtet wird als in den Staatsschulen. Besonders die höhere Bildung ist zunehmend einer kleinen Elite vorbehalten. Da während der Reisernte meist auch die Kinder auf den Feldern eingesetzt werden, reduzieren sich die Ausbildungszeiten erheblich, so dass die Zahl der Analphabeten bei 30% liegt.

Internationale Menschenrechtsabkommen

Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) ratifiziert
1.Fakultativprotokoll zum IPBPR
2.Fakultativprotokoll zum IPBPR
Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert
Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet
CEDAW-Zusatzprotokoll
Übereinkommen über die Rechte des Kindes (CRC) unterzeichnet
CRC-Zusatzprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten
Internationales Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassen-diskriminierung unterzeichnet
Abkommen über die Rechtsstellung von Flüchtlingen
Protokoll über die Rechtsstellung von Flüchtlingen
Römisches Statut des Internationalen Strafgerichtshofs
Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe

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